Hart handeln!!!

Die FR berichtet: „Merkel sagte in der ZDF-Sendung „Was nun?“, die CDU-Spitze habe mit der Rüge gegen Hohmann keinen Zweifel daran gelassen, dass Denkungsweisen wie die des Abgeordneten nicht geduldet würden. „Wir haben hart gehandelt und Konsequenzen bei einer Wiederholung angekündigt“, sagte sie.“
HART handeln. Doch. Bestimmt. Aber was meint Frau Merkel mit Wiederholung??? Wenn er noch einmal vom „Tätervolk“ spricht??? Na, dann muß er ja wohl nix befürchten.
Herr Liebermann, bitte, nach Ihnen

Meine Steuern zahl ich nicht! Nein, nein nein!

Attac gegen Steuerflucht In westart eine schöne Formulierung gehört: Wann reden wir denn mal von den „Sozialschmarotzern“ in Firmenleitungen? Die jahrelang Infrastruktur und Kunden zur Mehrung ihres Reichtums nutzen, und wenn es mal ein paar Euro Steuern zu zahlen gilt, verpissen sie sich ins steuergünstige Ausland (ich sach ma nua Müller-Milch* – wie der drauf los schwadroniert wird, „Ich kann nicht akzeptieren, dass es diese Steuer in Deutschland gibt“ das ist schon atemberaubend. Und erstaunlich, daß es Henkel geschafft hat, was er sich nicht traut. Sondern lieber blöde Werbung macht. Und ich denke mal wieder an Thoreau).
Mueller-Milch - nein dankeAuch Leute wie Schumacher** könnten ja mal ein bissel Kohle für die Schulausbildung, Gesundheitsfürsorge & Co. zurückzahlen. Aber daß dieses „sich verdünnsieren“ inzwischen im allgemeinen Diskussionsbewußtsein als vielleicht etwas unschön, aber normal angesehen wird, ist das eigentlich Erschreckende. Und daß Monsignore Bütikofer mit seinen drastischen Vorschlägen irgendwas bewegt, bezweifel ich mal stark…
*Mehr zu Müllers Steuerdrohung hier, hier und allg. hier.
**Daß die MS-Seite bei sport.de von der Deutschen Vermögensverwaltung präsentiert wird, ist doch nur noch als Realsatire zu verstehen…

Im Osten nichts Neues

Wer bis jetzt immer noch glaubte, daß der Afghanistan-Einsatz nicht nur für die (Militär-)Industrie, sondern so richtig was im Sinne von Demokratie und Emanzipation (in der weitesten Wort-Bedeutung) gebracht haben könnte, wird vielleicht in seinem oder ihrem Glauben daran durch den taz-Artikel vom 3.11. erschüttert: „Zwei Jahre nach dem Krieg zurück auf null“. Zarmina Tookhi, 33, die vor zwei Jahren in Deutschland Teilnehmerin einer Konferenz afghanischer NGOs war, kehrt jetzt völlig entnervt aus Afghanistan zurück.

Herr Liebermann, bitte

Mal wieder ein rhetorisches Kunststück aus der Politik:
Aus
„Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk bezeichnen.“
macht Martin Hohmann
„Es war nicht meine Absicht, die Juden als Tätervolk zu bezeichnen. Wenn gleichwohl ein anderer Eindruck entstanden ist, entschuldige ich mich dafür ganz ausdrücklich und bedauere es, wenn ich dadurch Gefühle verletzt habe.“
– werden noch Wetten angenommen, ob es irgendwelche Konsequenzen für MdB Hohmann gibt?
Mal wieder ein Fall für Liebermann

Na also

(zyn on)Wenn das mal keine gute Nachricht ist… (zyn off)
Two decades later, and over 1.5 million dead, peace might be coming to Sudan.
Das meldet der Africa-Blog. Wie passend, was Bob Marley schon vor Dekaden sang: Everywhere is WAR. (MP3, 3.4MB; und hier der Text)

eine echte kapuzinerpredigt

Bild-Schlagzeile Neulich hörte ich es in einem alten Höfer-Frühschoppen: „Das war jetzt mal eine echte Kapuzinerpredigt.“ Und heute brachte es der Kapuziner Bruder Paulus auf den Punkt, als ihm zur BILD-Schlagzeile folgende Jesaja-Stelle einfiel:
Die Wächter des Volkes sind blind, sie merken allesamt nichts. Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen. Träumend liegen sie da und haben gern ihre Ruhe. Aber gierig sind diese Hunde, sie sind unersättlich. So sind die Hirten: Sie verstehen nicht aufzumerken. Jeder geht seinen eigenen Weg und ist ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht. (Jes 56,10f.) *
Interessant wird, ob die anderen Medien darauf reagieren. Immerhin scheint dieser „unverschämte Plan“ schon seit einiger Zeit im Parlamentsraum zu hängen, schließlich berichtete die taz schon am 9.10.03 mit einer Seitenbemerkung vom angeblichen Initiator, dem SPD-Abgeordneten Willi Rothley, der sich in letzter Zeit scharfer Angriffe wegen allzu selbstgefälliger Äußerungen zur Diätenerhöhung der Parlamentarier erwehren musste.
* Paulus‘ ganzen Kommentar gibt es hier.

Bücherverbrennung

Die Sendung über Bücherverbrennung war ziemlich beeindruckend. Und belehrte mich mal wieder, daß Lesen nicht unbedingt „bessere“ Menschen macht. Deshalb hier noch drei informative Links:
Mehr zur Sendung von Henning Burk.
Nicht gerade ein optisches Meisterwerk, aber sehr informativ: Bücherverbrennung 1933.
Das Deutsche Historische Museum hat dazu auch eine Seite.

An ihren Worten sollt Ihr sie erkennen

Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nichts mehr von den FAZis zu lesen. Pech nur, daß bei einer nicht enden wollenden Wartezeit nur die FAZ rumlungerte.

Ich lern ja nix dazu.


Und so erwischte ich also einen Artikel von Josef Oehrlein über Hugo Chávez. Der bekanntlich „zermürbt mit seinem ‚revolutionären‘ Dauerwahlkampf das Land.“ (J.O.)
Da zählt Oehrlein zwei neue Programme auf, die Chávez angeleiert hat: Zum einen liefert er verbilligtes Öl an Kuba, als Gegenleistung kommen 5.000 kubanische Ärzte u.a. in die Armenviertel (wo sie laut Oehrlein von den Bewohnern erfreut aufgenommen werden).
Zum anderen treibt Chávez die Alphabetisierungskampagne mit Freiwilligen voran. Aber, und das ist natürlich ganz schlimm: Es wird nach einer Methode gearbeitet , die laut Oehrlein unter Fachleuten als eine der wirkungsvollsten gilt, aber aus Kuba kommt. Und das geht ja nun wirklich nicht. Denn, und das ist wohl zumindest jedem FAZisten klar, diese Programme und Chávez‘ Vehemenz legt den Verdacht nahe, daß es Chávez „nicht nur um eine Verbesserung der medizinischen Verorgung und der Bildung geht, sondern auch um einen Zugewinn an Popularität und Wählerstimmen“*. Für Oehrlein gilt die Parole:

‚Lieber ein Bein ab, als einen Präsidenten gut finden!‘


Wenn man weiß, welche schweinische Rolle die kath. Kirche, einige Abgeordnete und Privatmedien beim Putschversuch gegen Chávez gespielt haben, kann ich Oehrleins Satz „Doch dann begann er (Chavez) um so heftigere Attacken und griff Teile des katholischen Klerus an, beschimpfte Richter. Abgeordnete und Medien“ nur noch als dummdreist bezeichnen. Auch mit keinem Wort erwähnt Oehrlein die Versuche Chávez‘, große Teile der Bevölkerung am Öl-Reichtum Venezuelas zu beteiligen, indem er die staatliche (!) Ölgesellschaft aus den Händen einer sich bereichernden Clique riß (Pathos off). Lieber zeichnet er von Chávez noch mal abschließend ein Bild eines Castro-Groupies. Dann kann sich die verehrte LeserInnenschaft ein richtiges Bild machen.

Ich frage mich nach Lektüre, ob Oehrlein noch in den Spiegel schaut.


Ich frage mich, wer dieses Blatt Tag für Tag liest und welche Folgen das hat.

* Was man von einem kleinen Kanzler in Berlin gerade wirklich nicht sagen kann…

Konsuuuuum

Nachdem ich mich gerade mal so einigermaßen von dem neuen, nicht den Namen verdienenden Layout der Frankfurter Rundschau erholt hatte, machte ich nichts ahnend den Umschlag auf, der die neue „lettre“ enthielt.
Okay, es gibt also im Moment eine Typographen- und Layouterverschwörung, die darauf abzielt, grundlegende Dinge wie „Lesbarkeit“ aus der gedruckten Welt verschwinden zu lassen. Akzeptiert. Und will ich mal nicht vergessen, über eine Abokündigung nachzudenken…
Das Gespräch von BORIS GROYS und JOCHEN RACK in Nr. 62 über „Konsum und Kunst. Statistiken des Vergessens, Museen der Erinnerung“ war allerdings im ersten Teil ebenso unerträglich wie die Titelseite. Ausgehend, daß auch Konsumverweigerung Anti-Konsum und somit wieder Konsum sei, schwadroniert Groys, daß „man“ eh nur deshalb konsumiert, weil man dadurch innerhalb der Gesellschaft seine Stellung definieren bzw. Anerkennung erhalten möchte.
Also nicht, weil mir Telemanns „4 deutsche Psalmen“ oder der „City Blues“ der Beginner oder Caspar Broetzmanns „Mute Massaker“ gefallen, höre ich die; lese Arno Schmidt, Steffen Mensching, Robert Misik oder die Bibel nicht zur Bereicherung; sehe „Rivers and Tides“ oder „Herr Schmidt und Herr Friedrich“ nicht aus Interesse; sondern weil ich damit gesellschaftlich voll punkten kann. – Nö, Meister Groys, voll der Irrttum. Dann würde ich wahrlich anderes hören, lesen, sehen. Die für mich aber eher in der Abteilung „Müll“ stehen, und dafür ist mir meine Lebenszeit doch zu kostbar.