Teutscher Humor

So begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung die Vergabe des Georg-Büchner-Preises 2007 an den bekennenden Reaktionär Martin Mosebach:

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2007 Martin Mosebach, dem Erzähler von weltweitem Horizont, der die klassischen und die modernen Traditionen des Romans zu einer kraftvollen neuen Synthese geführt hat, und dem Essayisten von universaler Bildung. Sie ehrt einen der humorvollsten und hintergründigsten Menschendarsteller unserer jüngeren Literatur und einen ihrer glanzvollsten Stilisten.

Da gab es doch mal jemand, der den Stil über alles stellte. Propagandaminister galten manchem ja auch als glänzende Stililisten. Allein: Wenn ein Schreiber, dessen unerträglich langweilige Büchlein ich hier nicht kommentieren möchte, in seiner Dankesrede eine Linie von Saint-Simon durch Büchner zu Himmler zieht, ziehe ich nur noch einen Strich darunter. Und wenn MM sich den grauenhaften Reaktionär Joseph Marie de Maistre als Eideshelfer nimmt und dies nicht zur Aberkennung des Georg-Büchner-Preises oder wenigstens zu einem heftigen Protest führt; sondern bekannt liberale Blätter zur Goutierung solchen, milde ausgedrückt, Unsinns treibt; dann halte ich Nachmittags-Talkshows für das kleinere Übel und RTL2 für Bildungsfernsehen.

Hoffnungslos

Um sich vor dem Irrsinn der allgegenwärtigen Verblöder zu schützen, sollte man auf jeden Fall darauf verzichten, Waschzettel oder Verlagswerbungen zu lesen.
Richard David Prechts Buch „Wer bin ich – und wenn ja wie viele? – Eine philosophische Reise“ wird u.a. so beworben:

Eine faszinierende Reise in die Welt der Philosophie – Richard David Prechts Buch bietet Antworten auf die großen Fragen des Lebens

Ja, wahrscheinlich. Endlich, nach knapp 2.500 Jahren europäischer Philosophie, die blödsinnigerweise immer nur zu mehr Fragen führte, kommt sie nun endlich auf 400 Seiten zum Abschluß. Danke, lieber Goldmann-Verlag!
Ach ja: Wer bin ich und wenn ja wie viele? sei angeblich, so erzählt Richard David Precht, ein Satz seines Freundes Guy Helmingers sei, vor zwei oder drei Jahren gesprochen.
Mag sein, daß Precht ihn da her hat. Der Satz kam allerdings schon 1986 in Dani Levys Film-Erstling „Du mich auch“ vor, in dem dieser nach einer Trennung in seinem leergeräumten Zimmer sitzt, meditiert und eben diesen Satz spricht. Nur mal so nebenbei.