Etwas, das mich so unsäglich bei der Streiterei um Emphatiker und Gnostiker im Rezensionsbetrieb anödet, ist die „man muß auch mal Spaß haben dürfen“-Frack:tion.
Weidermanns Verwechslung von Literatur und Autoren-Leben, die vermutlich keine ist, sondern nur dem Verkommen von Literatur zum Event geschuldet,
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Weidermanns Unternehmen, mit Begeisterung an die Sache heranzugehen und Ansteckungsgefahr nicht von vorneherein auszuschließen, ist doch grundsympathisch.
– dann wird von ihr eine antiintellektuelle Haltung an den Tag gelegt, die seit längerem common sense sein dürfte (wobei „sense“ in diesem Falle vermutlich das falsche Wort ist).
Und die Anforderung an Literaturkritik, sich auf Verführung um ihrer selbst willen zu reduzieren, geht in die selbe Richtung:
Weidermanns Buch ist also nicht an seiner Methodik zu messen und daran, ob diese nun richtig, falsch, poppig oder akademisch auf neuestem Stand ist. Es ist daran zu messen, ob ihm seine Intention gelingt, also ob es tatsächlich so literaturverführerisch wirkt wie der Autor es beabsichtigt hat.
Genau: Wir wollen doch alle verführt werden. Feuilleton als „Boulevardkultur“, wie Winkels es nennt. Hauptsache, wir Lesen! Irgendwas. Das Aufzeigen, Nachverfolgen, Sichtbarmachen von Zusammenhängen oder Traditionslinien stört da eher. Beim Verführtwerden. Beim „Einfach-mal-gut-finden“. Du. Dann doch lieber noch schnell bei der Lesung fragen, ob der Autor auch so gern Kaffee Latte trinkt wie sein Held.
Roman-Lesen ist wahrlich kein Wert an sich. Im Gegenteil, es kann das Hirn komplett verkleistern.

Das mehr als umfangreiche Werk könnte einschüchtern und Menschen vom Lesen abhalten. „Womit beginnen?“ würde ich aber mit einem meiner Lieblingstexte beantworten: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Ein überschaubarer Text. Den es