R.I.P., Morten Grunwald

Der großartige Schauspieler Morten Grunwald ist tot. Ich kannte ihn lange in seiner Rolle als Benny in der „Olsenbande“.

Durch seine wunderbare Autobiographie „Meine Tage in gelben Socken“ und zahlreiche Fernsehauftritte zeigte sich sein viel breiteres Repertoire. Er war lange Theaterdirektor in Kopenhagen, und 2017/18 war er noch mit einem Beckett-Programm an der Berliner Volksbühne zu sehen.

Traurig.

Sie hatten 80 Jahre Zeit

80 Jahre haben bei manchen Redaktionen noch nicht gereicht. So darf ich auch dieses Jahr wieder meinen Kalauer anbringen, daß sich möglicherweise hinter der Schreibweise „Progrom“ das Bewußtsein verbirgt, daß viele Deutsche dafür waren …

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit, Reihenfolge alphabetisch)

Auf einer BR24-Webseite steht progrom

Auf einer Focus-Webseite steht progrom

Auf einer Webseite des Kölner Stadt-Anzeigers steht progrom

Auf einer Webseite der Lausitzer Rundschau steht progrom

Auf einer Webseite von Radio Herne steht progrom

Auf einer Webseite der Saarbrücker Zeitung  steht progrom

Auf einer Webseite der Wuppertaler Rundschau steht progrom

Dichterfeste, nein danke

Ein aufgeschlagenes Buch liegt auf einer grünen Wiese

Peter Handke, in einem TV-Gespräch von Katja Gasser etwas bedrängt, doch mal zu sagen, was er als Gott oder Diktator sofort abschaffen oder einführen würde:

„Jedes Dichterfest macht schon wieder einen Schatten auf die Dichtung. Wenn ich könnte, Diktator – was Sie mich gefragt hatten – ich würde alle Dichterfeste abschaffen.“

(„Was stört Sie an diesen?“)

„Zwei Jahre. Ohne Begründung. Bleibe jeder für sich, lese jeder allein, in eurer Kammer oder auf der Gartenbank, oder meinetwegen im Klo. Aber lest allein, für euch allein. Und ich scheiß auf eure Dichterfeste. Jedes Dichterfest macht die Würde der Literatur heutzutage noch mehr ergrauen. Oder schwärzt sie an. Aber ich ereifer mich schon wieder zu viel.“

Die Einsamkeit des Langstrecken-Lokomotivführeres

naher Blick auf Eisenbahn-Schienen

Der RBB hat am 16. August 2018 ein Team auf die Reise mit dem ICE von München nach Berlin geschickt, um mal Slow TV zu produzieren. Die fast vierstündige Fahrt kann bis zum 20.10.2019 in der Mediathek mitgefahren werden. Einmal aus Sicht des Lokführers, einmal mit Blick zurück, was mir beim Zugfahren eigentlich auch immer besser gefällt, weil es dann nicht immer schon:vorbei/vor:bei/vor:bei/vor:bei ist 🙂 Andererseits wird mir selbst beim zuschauenden Rückwärtsfahren etwas reiseübel.

Was mir dabei noch mal klar geworden ist: Lokführer ist ein ziemlich einsamer Job.

Das Norwegische Fernsehen hatte das Slow TV 2009 wohl als erster Sender gebracht, damals hatten sie eine 7-stündige Zugfahrt gesendet. Inzwischen haben auch andere Sender das nachgemacht, und vom RBB kenne ich die nächtlichen Führerstand-Mitfahrten der S-Bahnen. Und natürlich war das allerallererste SlowTV im Netz die berühmte Trojan-Room-Kaffeemaschine, wie überhaupt Webcam-Verzeichnisse ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm bieten.

Sie kapieren es nicht

Eine Mohnblüte am Straßenrand

Im heutigen Kölner Stadt-Anzeiger lesen wir über einen gerade geschlossenen Fleischtempel:

In einer Gastrokritik von 2015 heißt es über das Angebot zum Beispiel: „Seltenheitswert unter Kölner Burger-Bratereien hat der aromatische Salmon-Burger (6,25 Euro) mit LachsAlternative zu den Veggie-Bratlingen oder Portobello-Pilzen, die Vegetarier sonst meist wählen m ü s s e n.“

Ich hoffe, der damalige Gastrokritiker kann inzwischen eine Ravioli-Dose öffnen.

facepalm

Dümmer geht ümmer

ein erwachsener und ein junger Eisbär tollen auf einer Rasenflächemit schmelzendem Schnee herum

Lufthansa läßt in einem Video zur originellen Werbekampagne „Say Yes To The World“ für umweltzerstörende Fortbewegung jemanden in Manhattan sagen:

„Ich finde, wir sollten begreifen, daß wir nicht alleine sind. Die Welt zeigt uns das.“

Wer das in Manhattan nicht begreift, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Von ähnlicher Simplizität die junge Frau, die die Welt liebt,

„weil sie einfach so schön ist“.

Und das müssen jetzt aber auch wirklich alle alle Menschen mittels Flugreisen sehen. Am besten erst mal zu den Eisbären in die Arktis. Solange es die noch gibt.

Danke, SWR2!

Mikrofon vor unscharfem Hintergrund

Eine der großartigsten „Talk“-Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist für mich das SWR2 Forum. Mit einer enormen Bandbreite geht es da um das Thema, nicht um Glamour und Prestige. Oder wie es in der Selbstbeschreibung heißt:

Wir diskutieren: über Gott & die Welt, über Fußball & Erdball, werktags 5 nach 5.* Gäste im SWR2 Forum: Wissenschaftler, Publizisten, Schriftsteller, Künstler – und manchmal auch Politiker.

Und so höre ich auch gern 45 Minuten einem Gespräch über Teilchenphysik und Forschungswege zu.

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* erfreulicherweise auch als Podcast

Sucker – äh: Soccer

Zwei Männer in verschiedenfarbigen Trikots spielen Fußball

Da sich jetzt ganz Deutschland an freuen über die EM 2024 is (vergessen der Ärger über diese FIFA), frage ich mich gerade: Bei Olympischen Spielen gibt es ja inzwischen im Vorfeld immer mal wieder Befragungen der Bürger*innen. Füre EM nich? Die bestimmt ein extrem günstiges Sport(!)Ereignis! wird, so mit Überstunden für die Polizei, z.B. Aber wenn woanders die Kassen klingeln … Und was war eigentlich mit den 2006 klingenden Kassen?

Medien-Macht

sw-Foto von geschminkten Menschen, die eine Polonaise tanzen

Seit langem habe ich mal wieder die GoogleNews-App geöffnet. Die zeigte mir, wie wichtig eine eigene Filterblase ist, um geistig-seelisch gesund zu bleiben. In der für mich kuratierten (?) Zeitleiste fanden sich fast nur Quellen, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde. Beim Durchwaten des sich daraus ergebenden Nachrichtenstroms voller hysterisch-negativer Meldungen merkte ich, wie mein Hirn mit dunklem Sirup förmlich verklebt wurde. Wie ich es zuletzt erlebt hatte, als ich ein „Boulevard“-Drecksblatt jahrgangsweise durchblättern mußte.