Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung.

Nur, weil ich heute das mit Marx und dem Opium für’s Volk wieder einmal falsch zitiert hörte.Falls jemand den letzten Montalban-Roman „Requiem für einen Genießer“ gelesen hat – dort ist der Lenin („Sozialismus und Religion“) wohl auch für einen Marx verkauft worden… Sei hier aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung zitiert:

Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.
Die profane Existenz des Irrtums ist kompromittiert, nachdem seine himmlische oratio pro aris et focis widerlegt ist. Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu finden, wo er seine wahre Wirklichkeit sucht und suchen muß.
Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.
Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.
Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.

AKüFi

In Dorothea Hahns lesenswertem Artikel über den Versuch de Villepins, in Frankreich Arbeitsverträge mit zweijähriger Probezeit für Jugendliche durchzuboxen, ist jemandem beim Abkürzungstippen wohl langweilig gewesen:

Proteste gegen zwei Jahre Probezeit
(…)
Premierminister Dominique de Villepin nennt sein Gesetz „das sozialste Projekt für junge Leute, das je vorgeschlagen wurde“. Er hat den „Contrat première embauche“ (CPE) im Januar ohne vorherige Konsultation mit Gewerkschaften und UnternehmerInnen
(…)
Die jungen Leute waren in der Mehrheit. Ihre Forderung: „Weg mit dem CEP„.
(…)
Der CEP richtet sich ausschließlich an junge Leute unter 26 Jahren.
(…)
Er argumentiert, der CPE würde zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
(…)Jener CNEdas stimmt dann aber doch, weil es sich um einen anderen Vertrag handelt
(…)

Beckmann goes Eiserner Vorhang

Nicht, daß ich diese Blubber-Shows sehen würde. Muß ich auch nicht, schließlich gibt es ja das Feuilleton, das aufmuckt, wenn bei den Laberhänseln & -greteln mal was passiert. Und so hörte ich heute bei MDR Figaro (als Podcast hier) etwas über Bürgermeister bei Don Backman. Die Sendung wurde so angetextet:

Sendung vom Montag, 06.02.2006. Der große Bürgermeister-Gipfel
Einerseits müssen sie Volksnähe pflegen, andererseits tragen sie große Verantwortung. Deutschlands Bürgermeister balancieren zwischen Politik und Show. Erstmalig treffen sich jetzt gleich sechs Bürgermeister und Bürgermeisterinnen zum großen Städtetest!
Welche Stadt hat die höchste Kneipendichte? Welche ist Deutschlands Party-Hauptstadt? Wo leben die meisten Singles? Sind Münchener glücklicher als Hamburger? Ist Berlin schmutziger als Köln? Bei „Beckmann“ sprechen Klaus Wowereit, Ole von Beust, Christian Ude, Fritz Schramma, Petra Roth und Bärbel Dieckmann über Mentalitätsunterschiede und Konkurrenzkämpfe – und stellen sich überraschenden Testergebnissen.

Das wirklich überraschende Testergebnis dürfte dabei sein, daß Ostdeutschland nicht stattfindet. Kein Leipzig, Dresden, Halle, Rostock, Schwerin – um nur mal die eigentlich auch im Westen bekannten Städte zu nennen – nüscht. Aber vielleicht hatten die dortigen OBs auch besseres zu tun, als in so eine *?!$%&-Sendung zu kommen? Verständlich wäre es.

Heinz Czechowski

Heinz Czechowski
Der Lyriker, Essayist und Prosaautor Heinz Czechowski hat heute seinen 71. Geburtstag. Schön, daß nun auch endlich seine Biographie „Die Pole der Erinnerung“ vom Grupello-Verlag angekündigt wird (- und noch schöner, wenn der Erscheinungstermin 15.4.06 eingehalten wird, hihi).
Grund genug, ein paar Gedichtauszüge abgetippert zu haben und allen hier Lesenden dringend die Lektüre von Lyrikbänden (insbesondere natürlich Czechowskischer) ans Herz zu legen. Und wenn Czechowski, dann auch gleich noch seine Prosabände, z.B. „Herr Neithardt geht durch die Stadt“, ein Band mit wunderbaren Städeteportraits. Das Buch ist nur noch antiqiuarisch oder aber in der schönen Ausgabe „Der Garten meines Vaters“ aus dem Grupello-Verlag erhältlich, in dem auch weitere Bücher von Czechowski erschienen sind.

Arbeit vs. Blog

Wenn die Arbeitswoche durch zwei Tage Interviews mit PolizistInnen und einem Dreh beim Udo-Jürgens-Konzert angereichert wurde, verwundert es hoffentlich nicht, daß im Blog nicht viel los ist…

Heute K.-H. Bölling auf SWR2!

Als Mitglied des Karl-Heinz-Bölling-Fanclubs weise ich noch eilig auf den heutigen Hörspieltermin auf SWR2 hin:

22. 1. 2006 | 16:05 Uhr | SWR2, Hörspiel
„Die Eichhörnchen“
Von Karl-Heinz Bölling
Er, Karl: Reinhard Firchow
Sie, Doris: Hille Darjes
Monika: Astrid Meyerfeldt
Fritz: Horst Bollmann
Regie: Heinz von Cramer
(Produktion: DLR Berlin 2005)
Doris fragt Fritz, wo ihr Mann Karl sei. Karl jagt mal wieder Eichhörnchen hinterher. Doris schreibt ein Stück über Eichhörnchen. Davon hat Fritz nichts gewusst. Und Fritz will nicht, dass seine Frau schreibt. Doris verrät Monika ein Detail über deren Mann Karl: Karl schreibe Gedichte über Eichhörnchen. Als Karl Fritz zur Rede stellt, warum dieser ein Stück über Eichhörnchen schreibe, schießt Fritz auf Karl. Oder Karl auf Fritz? Oder Fritz auf Karl, dann Karl auf Fritz? Oder sind wir hier im neuesten Hörspiel von Karl-Heinz Bölling.

Sehr durchgeknallt abgründig und hochkomisch!
Und überlege, ob ich noch schnell einen Horst-Bollmann-Fanclub gründe…

Schmidtwunsch!

Anläßlich des 92. Geburtstags von Arno Schmidt möchte ich wieder einmal Alice Schmidts Tagebuch aus dem Jahr 1954 hinweisen. Da ist nicht nur Typo & Binderei wunderbar gemacht. Auch der Einblick in das Jahr ’54 einfach spannend. Und zum heutigen Tag ein Ausriß:
Ausschnitt aus dem Tagebuch - Was fuer ein Gott ist Arno dagegen
Daneben ist auf die Arno-Schmidt-Stiftung hinzuweisen. Und natürlich auch auf die Homepage der GASL. Und nicht zu vergessen Giesbert Damaschkes Website »mare-crisium.de«, die sich widmet dem im Dezember 1960 erschienenen Roman »Kaff auch Mare Crisium« von Arno Schmidt. Und natürlich auf seine Seite zur AS-Mailingliste!
Prost!

Und zur Strafe schreibst Du 50 x "Kai Diekmann"

Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann Kai Diekmann