Rotiert Büchner?

Daß die PreisträgerInnen des Büchner-Preises mir manchmal etwas unpassend erschienen – wen kratzt es. Wenn aber in diesem Jahr der verquast-langweilende Martin Mosebach als Schlafmittel par excellence den Preis bekommt, scheint mir der endgültige Darm(stadt)-Durchbruch des Literaturverständnisses gehobener Stände erreicht zu sein. Treffend, wenn auch positiv gestimmt, schreibt Hubert Spiegel in der heutigen F.A.Z.:

Martin Mosebach, der Erzähler, Romancier und Essayist, der Grandseigneur in der Apfelweinkneipe, der orthodoxe Katholik und unorthodoxe Kenner der Künste, der konservative Anarch und hemmungslose Bewahrer von Stil und Form […]

und reiht sich damit in den Chor der Preiser eines Bürgerlichen Literaturverständnisses ein. Mosebach zum BP zu verhelfen, das verlangt eigentlich auch eine Neuschreibung des Büchnerschen Landboten:

Krieg den Hütten – Friede den Palästen!

Das kann ich auch?

Seit einiger Zeit gerate ich immer wieder in Veranstaltungen des Kunstbetriebs, die mit miserablen Referenten glänzen. Höhepunkt der vergangenen zwölf Monate – und vermutlich auch in den kommenden Monaten nicht zu unterbieten – war Kittlers komplett konfuser Kokolores.random items berichtete
Roger M. Buergel und Nicolaus Schafhausen
(Roger M. Buergel und Nicolaus Schafhausen)
Der heutige „Vortrag“ von Roger M. Buergel, künstlerischer Leiter der documenta 12, begann damit, daß sich der Vortragende ekelhaft anbiederte und nicht auf das Podium wollte. Sondern lieber ebenerdig und damit nicht nur schlecht sichtbar. Sondern auch noch schwerst tontechnisch zu betreuen war. Nachdem ich mich dann irgendwann ob dieser Ignoranz und Unhöflichkeit beruhigt hatte, gelang es mir nicht, auch nur ansatzweise aus dem Gerede über „zeitlos aktuelle Umgangsformen mit Kunst“ eine lohnende nähere Betrachtung, wie angekündigt, herauszuhören. Nullnummer. Könnte man sagen. Und so langweilig, daß ich den Betreff dieses Eintrags revidiere: „So schlecht – das kann ich nicht.“ Da half auch das projezierte Muschel-Risotto nix.
Muschel-Risotto
Bleibt die Hoffnung, daß die für Freitag, den 17.3.06 (19.30 Uhr) angekündigte Veranstaltung besser wird:

„Schreiben über Kultur. Die deutschen Feuilletons“
Podiumsdiskussion mit Jörg Heiser (Frieze, Süddeutsche Zeitung), Sebastian Preuss (Berliner Zeitung), Ingo Niermann (Schriftsteller und Journalist) und Thomas Wagner (Frankfurter Allgemeine Zeitung), moderiert von Nicolaus Schafhausen (European Kunsthalle)
Kölnischer Kunstverein, Vortragsaal, Hahnenstraße 6, 50667 Köln

Sancta Simpel usw.

Motivations-, Kommunikations- und Sonstwas-Trainer waren mir immer schon suspekt. Heute habe ich mal wieder etwas gehört, das mich in meinem Vorurteil der Schaumschlägerei bestätigt. Helge Thomas hat in seinem Podcast „Das Abenteuer Verkaufen“ die fünfte Folge im Angebot: „Du bist der Aufschwung“. Besonders schön ist der Punkt „Wie verkauft man ein Land?“ – ja, das trifft es wohl.
Großartig ist sein Schlußschmankerl, bei dem er Verdi & dem Öffentlichen Dienst nahelegt, die schlappen 18 Minunten mal nicht so eng zu sehen, schließlich frage er als Selbständiger auch nicht nach Überstunden. Und vielleicht sägten die ja auch am Ast, auf dem sie sitzen – und nachher kommen die Privaten Unternehmer, die das dann viel billiger machten.
Hoho, da schlottern wir jetzt aber mal kräftig. Aber nur, weil wir überlegen, wie solche Leute, die offensichtlich von keiner Kenntnis getrübt sind, als „Trainer“ auf Arbeitnehmer losgelassen werden.
Das kann natürlich etwas behoben werden. Z.B. mit dieser „Der Tag“-Sendung von hr2: „Das 18-Minuten-Missverstaendnis: wofür streikt Verdi“hier als mp3-Download, 50:09 min., 12.3MB
Da wüßte Helge Thomas dann, daß es z.B. durch verlängerte Arbeitszeit bisher meist zu Stellenabbau kam, besonders im Öffentlichen Bereich. Oder durch verlängerte Arbeitszeiten die Mitarbeiter-Gesundheit gefährdet werden kann. Oder der Öffentliche Dienst in den vergangenen Jahren bereits Einschnitte hingenommen hat. Aber Du bist Deutschland ist eben griffiger, da kommt es auf die Details nicht so an. Hauptsache, wir verkaufen das Land gut – und wenn auch nur für blöd…

Echt wahr?!?

Die Nachrichten überschlagen sich!

Nur zwei Tage vor der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises hat einer der Juroren wütend die Schwedische Akademie verlassen.

Wow. Un in Bottrop is ’ne Bockwuast geplatzt? Nää, wat is dat getz wieda allet aufre’nt!