Kleine Welt

Ein gefaltetes Blatt Papier, aus dem in der Mitte ein Quadrat ausgeschnitten wurde, liegt auf eine rot-orange gemusterten Tischdecke

Ein selbstgemachter Finder à la Sister Corita Kent

Im Moment lese ich Austin Kleons neues Buch „Keep Going: 10 Ways to Stay Creative in Good Times and Bad“.

In einem Kapitel erwähnt er Sister Corita Kent, mit der ich mich vor einer Weile schon mal etwas beschäftigt hatte. Also schnell mal bei Youtube gesucht, und dort ein schönes Video von Joe Van Cleave über Sister Corita’s Finder entdeckt. Joe erwähnt darin Austin Kleons Blog, in dem er 2018 über Sister Corita gelesen hat (und ich vermutlich auch).

Ein kurzes Video zur Ausstellung Sister Corita: Let The Sun Shine In in der Berliner Circle Culture Gallery brachte mich dann zu dem interessanten Film von Aaron Rose: Directors’ Cuts: “Become Microscope”, in dem er anläßlich des 90. Geburtstags von Sister Corita Kent 90 Aussagen über sie gesammelt hat. Was mich auch begeistert: Die Foto-Farben aus den 60ern (im Moment beschäftige ich mich wieder etwas mit Fotografie).

Einmal im Kreis gegangen, wieder was gelernt.

Hauptsache Abwechslung!

Eine einsame Hütte in Schneelandschaft, blauer Himmel

Ich habe keine Ahnung, was passiert, wenn man an einem Nachmittag auf Youtube 150 Versionen von I’ll Be Home For Christmas hört. Aber ich werde es morgen wissen.

Hier ist meine Liste mit 120 ausgewählten Versionen, in zufälliger Reihenfolge. Schon erstaunlich, was aus einem Song alles gemacht werden kann. Und es half ein bißchen, gestern noch „The Thin Line“ gesehen zu haben.

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“früher oder später” – eine Mediathek-Empfehlung

Der Bestatter Ernst Schöfl am Friedhof, Bild BR/wirFILM

Der Bestatter Ernst Schöfl am Friedhof, ©BR/wirFILM

Statt mit einem Gemecker über die Pressearbeit des BR zu beginnen, schreibe ich doch lieber: “Was für eine tolle kleine Doku-Serie!

“früher oder später” erzählt über einen Zeitraum von vier Jahren aus Schönsee, einem kleinen Ort in der Oberpfalz, wie es ihn in Deutschland vermutlich häufiger gibt, als uns bewußt ist. Im Vorspann begeistern mich die Filmemacherinnen (Regie und Montage: Pauline Roenneberg, Dramaturgie: Britta Schwem) gleich mit toll gefilmten Bildern (Kamera: Zoë Schmederer), und stellen schon mal einige Menschen angedeutet vor.

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Sie hatten 80 Jahre Zeit

80 Jahre haben bei manchen Redaktionen noch nicht gereicht. So darf ich auch dieses Jahr wieder meinen Kalauer anbringen, daß sich möglicherweise hinter der Schreibweise „Progrom“ das Bewußtsein verbirgt, daß viele Deutsche dafür waren …

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit, Reihenfolge alphabetisch)

Auf einer BR24-Webseite steht progrom

Auf einer Focus-Webseite steht progrom

Auf einer Webseite des Kölner Stadt-Anzeigers steht progrom

Auf einer Webseite der Lausitzer Rundschau steht progrom

Auf einer Webseite von Radio Herne steht progrom

Auf einer Webseite der Saarbrücker Zeitung  steht progrom

Auf einer Webseite der Wuppertaler Rundschau steht progrom

Die Einsamkeit des Langstrecken-Lokomotivführeres

naher Blick auf Eisenbahn-Schienen

Der RBB hat am 16. August 2018 ein Team auf die Reise mit dem ICE von München nach Berlin geschickt, um mal Slow TV zu produzieren. Die fast vierstündige Fahrt kann bis zum 20.10.2019 in der Mediathek mitgefahren werden. Einmal aus Sicht des Lokführers, einmal mit Blick zurück, was mir beim Zugfahren eigentlich auch immer besser gefällt, weil es dann nicht immer schon:vorbei/vor:bei/vor:bei/vor:bei ist 🙂 Andererseits wird mir selbst beim zuschauenden Rückwärtsfahren etwas reiseübel.

Was mir dabei noch mal klar geworden ist: Lokführer ist ein ziemlich einsamer Job.

Das Norwegische Fernsehen hatte das Slow TV 2009 wohl als erster Sender gebracht, damals hatten sie eine 7-stündige Zugfahrt gesendet. Inzwischen haben auch andere Sender das nachgemacht, und vom RBB kenne ich die nächtlichen Führerstand-Mitfahrten der S-Bahnen. Und natürlich war das allerallererste SlowTV im Netz die berühmte Trojan-Room-Kaffeemaschine, wie überhaupt Webcam-Verzeichnisse ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm bieten.

Danke, SWR2!

Mikrofon vor unscharfem Hintergrund

Eine der großartigsten „Talk“-Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist für mich das SWR2 Forum. Mit einer enormen Bandbreite geht es da um das Thema, nicht um Glamour und Prestige. Oder wie es in der Selbstbeschreibung heißt:

Wir diskutieren: über Gott & die Welt, über Fußball & Erdball, werktags 5 nach 5.* Gäste im SWR2 Forum: Wissenschaftler, Publizisten, Schriftsteller, Künstler – und manchmal auch Politiker.

Und so höre ich auch gern 45 Minuten einem Gespräch über Teilchenphysik und Forschungswege zu.

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* erfreulicherweise auch als Podcast

Non vitae sed scholae discimus – oder: Ist Sport Krieg?

Screenshot von ARD-Übertragung der Tour de France, ein Moderator im Bild

Historischer Moderationsmoment bei der ARD: „Blut, Schweiß und Tränen“
Wenn ein ARD-Sportmoderator*, der alt genug ist, um in seiner Zeit am Gymnasium etwas über den II. Weltkrieg gelernt zu haben, ein Gespräch über eine Touretappe anmoderiert mit

„Das war für die Fahrer nicht ohne. Wenn man so will: Blut, Schweiß und Tränen“**

dann ist das entweder unwissend, dreist oder wurschtig. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.
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* so Michael Antwerpes (der immerhin Publizistik, Anglistik und Politikwissenschaft studiert hat) am 26.07.2018 im Gespräch mit dem ARD-Doping-Experten Hajo Seppelt über die 18. Etappe (Video ab 0:06, verfügbar bis 28.06.2019)
** Winston Churchill hat diese Worte in einer seiner berühmtesten Reden am 13. Mai 1940 vor dem britischen Unterhaus verwendet und (für meine Generation) geprägt

Ambiguitätstoleranzübungen

zwei Werbeteaser nebeneinander, der linke weist auf die emanzipierte Franziska von Reventlow hin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hatte, der rechte ist eine Werbung für Beautyprodukte

Respekt vor den Contentmanager*innen beim Tagespiegel
Warum habe ich eigentlich in diesem Blog noch nicht über die guten Bücher „Das Pragmatismus-Prinzip“ von Dirk von Gehlen und „Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt“ von Thomas Bauer geschrieben? Für mich wird dort auch sehr schön analysiert, warum in unserer Gesellschaft zunehmend aggressiver, unterkomplex und rückwärtsgewand ‚argumentiert‘ wird.
Beide Autoren kommen auch zu dem Schluß, daß wir mehr Ambiguitätstoleranz brauchen. Also damit umgehen lernen, daß nicht alles unterkomplex lösbar ist; oder daß Widersprüche normal sind.
Daher habe ich mir die oben nebeneinander montierten, auf der Webseite des Tagesspiegels in zwei Reihen untereinander stehenden Teaser als Übungscollage gebastelt.
Aber Teaserbalken (nicht nur beim Tagesspiegel) können auch zur Erheiterung beitragen:
<Zwei Werbeanzeigen, links über die dunklen Geheimnisse der britischen Royals, rechts über Liebe, die kein Alter kennt.

Gnadenlos witzisch – Online-Teaser

Ein Volk, ein Ball, ein Spielführer

Deutschlandfahne hängt auf einem Balkon

Uff, und ich dachte schon, ich sei der einzige, der diese ständig auf Anschlag propagandierenden Phrasendrescher im öffentlich-rechtlichen Sportfernsehen für bedenklich hält. Schlimmer als die Verabschiedung vom Journalismus ist aber die übel müffelnde Tendenz zum großen WIR.
Ein gutes „Breitband“-Gespräch bei Deutschlandfunk Kultur mit Jürgen Roth über die Sportjournalisten der Fußball-WM: „Das sind PR-Heinis“.

lechts und rinks

Schrift das ist kein braun auf einem braunen Hintergrund

Wieder einmal ein sehr gutes Politisches Feuilleton im Deutschlandfunk Kultur. Tobias Ginsburg plädiert für klare Begrifflichkeiten (Link zur Audiodatei). Ich kann allerdings verstehen, daß Rechtsextreme sich nicht als „Rechtsextreme“ bezeichnen lassen wollen – „Nazis“ klingt eben einfach schmissiger.