"verboten" strikes back

Natürlich ist das kindisch-hilflos. Aber bei den Stumpfmeiern fällt mir auch nichts besseres ein als so ein Beitrag wie der heutige taz-verboten:

verboten bedauert „Missverständnisse“! Die Berliner Seite-1-Rubrik verboten hat ihr Bedauern über „Missverständnisse“ im Zusammenhang mit ihrer umstrittenen Äußerung über die „schrill-bigotten Purpurschwuchteln des reaktionären Katholizismus'“ bekundet. (…)

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NEIN

Ich weiß ja nicht, ob Ärzte bereits das Krankheitsbild der Mißverständnisseritis im Katalog haben Zeit wird es jedenfalls. Schon länger.

Kardinal Joachim Meisner bedauert, dass seine Aussage über angeblich „entartete“ Kultur zu „Missverständnissen“ geführt habe. In einem Beitrag für die „FAZ“ (Mittwoch) schreibt Meisner, das von ihm im Zusammenhang mit Kunst gebrauchte Wort „entartet“ habe „in der verkürzten Form des aus dem Zusammenhang gelösten Zitats Anlass zu Missverständnissen gegeben“. Dies bedauere er. (*)

Daß es diesen ganzen Leuten nicht peinlich ist, ständig „Mißverständnisse“ vorzuschieben. Die sollen dazu stehen. Oder sich entschuldigen.
Herr Liebermann, ein Eimer genügt leider nicht.
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(*) Meldung beim WDR

My wonderful SPAR-Markt

Der Shop-Blogger ist einer meiner täglichen Lesestoff-Lieferanten. Björn Haste berichtet aus seinem Bremer SPAR-Markt über Neuigkeiten aus der Lebensmittelwelt (die mir als beinah ausschließlicher Bioladen-Kunde eher unbekannt ist – aber er hat auch das gesamte Zotter-Sortiment!); noch interessanter finde ich allerdings die Einblicke in die Welt hinter den Regalen. Heute ging es u.a. um Automaten-Planungen:

In ca. zwei Wochen wird mein lange herbeigesehnter Leergutautomat installiert werden. Aber es ist bei so einem Gerät ja nicht damit getan, eine freie Fläche zu schaffen, den Automaten aufzustellen und einzuschalten. Schön wär’s, aber:

weiterlesen beim Shopblogger!

Kein Schritt breit

Daß es zwischen Bund und Ländern, in diesem Fall den Kommunen, nicht immer zum Besten steht, deutet die Tickermeldung an:

Bundesregierung Aktuell 17.09.07 08:30
Seit dem Wegfall der Gewerbekapitalsteuer im Jahre 1998 sind die Kommunen am Aufkommen der Umsatzsteuer beteiligt. Die Verteilung erfolgt derzeit noch nach einem Übergangsschlüssel. Die Umstellung auf einen endgültigen Verteidigunsschlüssel soll mit Wirkung ab dem Jahr 2009 erfolgen.

Merke: Lieber verteidigen, bevor man was verteilen muß.

HELVETICA

Ein Film ueber eine Schrift? Einen Font? Wer will den denn sehen???
In Koeln waren es heute um die 300 Leute (die meisten vermutlich aus dem Design-Bereich), der Saal war rappelvoll. Und der Film von Gary Hustwit beschaeftigt sich tatsaechlich mit der HELVETICA. Der Schrift, die vermutlich mehr als jede andere unser Seh-Leben beherrscht. Neben einer Unzahl von Strassenszenen, in denen dieser Font auftaucht, kommen tolle Schriftenentwerfer und GraphikdesignerInnen vor. Unter ihnen Freunde und Feinde, alle erzaehlen sehr mitreissend – und ich frage mich, ob ich nicht auch gemaess alter Familientradition ins Schwarze Gewerbe haette gehen sollen…
Nett war, als Hustwit erklaerte, wie er den Film gestemmt hat: „Don’t tell the people, that you think about making a film on Helvetica. Just say: I make a film on Helvetica! And then people came to help me, money came, things started.“ Allerdings saehen seine Kreditkartenabrechnungen fuerchterlich aus…
Die DVD, die im November erscheinen soll, habe ich jedenfalls schon mal geordert.

Hoerspieltip

Am 4. 9. 2007 laeuft um| 20:05 Uhr auf WDR 5 das Hoerspiel „20 Zigaretten“ von Marcy Kahan.
So kurz nach dem Inkrafttreten des Anti-Rauchergesetzes eine interessante Programmentscheidung:
Aus der Programmankuendigung:
„Eine Zigarette ist das vollstaendige Urbild des Genusses: Sie ist koestlich und laesst uns unbefriedigt.“ Dieser Meinung seines Namensvetters Oscar Wilde schliesst sich der 59-jaehrige Oscar Klavier uneingeschraenkt an. Denn Oscar raucht – viel und gerne und mit Stil. Eigentlich ist Rauchen das Einzige, was der britische Gentleman und Lebenskuenstler wirklich gut kann. Schon im Alter von zehn Jahren bescheinigt seine Mutter ihm ein Naturtalent, und seitdem sind die Zigaretten fester Bestandteil von Oscars Leben. Doch davon gilt es sich nun zu verabschieden: Seine grosse Liebe Suki will ihn nur heiraten, wenn er dem Rauchen abschwoert. Widerwillig begibt er sich also in eine Privatklinik, um sich der sogenannten „20-Zigaretten-Methode“ zu unterziehen: Anhand der 20 wichtigsten Zigaretten im Leben des Patienten wird dessen Biografie aufgerollt. Fuer Oscar beginnt eine Reise durch die Vergangenheit. Frauen und Jobs kamen und gingen – aber warum war sein Freund Milo ihm immer eine Zigarettenlaenge voraus? 20 Zigaretten spaeter lichtet sich der Rauch und Oscar sieht klarer.
Marcy Kahan, in Montreal (Kanada) geboren, lehrt an der Universitaet von Oxford englische Literatur. Als Schriftstellerin arbeitet sie fuer Rundfunk, Theater, Film und Fernsehen und wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Der WDR produzierte zuletzt ihr Kriminalhoerspiel „Tod in Las Vegas“ (2006).
Mit Lorenzo Liebetanz, Jona Mues, Dietmar Mues, Davide Brizzi, Hans Loew, Juerg Loew, Michael Evers u.a.
Redaktion: Natalie Szallies

Zielgruppe doesn't exist anymore, Baby

Der Begriff vom „Bildungsstand“ macht seinem Namen inzwischen selbst in den sich selbst so definirenden besseren Kreisen alle Ehre, denn statisch-dümpelnder geht’s nimmer.
Eklatant, daß in einer zielgruppenorientierten Sendung Zielgruppenwissen nicht mehr vorhanden ist.
So gab es beim Büchermagazin von br2 keine einzige richtige Einsendung zur Frage nach dem inzwischen wohl gänzlich unbekannten Jonathan Swift. Und auch im WDR-Literaturmagazin blieb die Frage nach Sandor Petöfi, demungarischen Nationaldichter, ohne Antwort – es kamen sogar Klagen, daß diese Frage doch zu schwer gewesen sei.
Die neue Gutbürgerlichkeit, so scheint es, beschränkt sich in erster Linie darauf, sich durch artige Manierchen sowie die richtige Kleidung und Lifestyle zu definieren und „Distinktion“ mit feinem „c“ zu sprechen.

R.I.P.

Nach seinem scharfen Protest gegen das Gerling-Bürohochhaus am Koelner Friesenplatz als „Gigantomanie des Kapitals“ und „Kriegserklaerung gegen die Umwelt“ verwundert es nicht, dass Ralph Giordano nun auch gegen die Bauplaene der Koelner Moschee als „Kriegserklaerung gegen die Umwelt“ protestiert.
Soeben erreicht uns die Meldung, dass RG nie gegen den Gerling-Bau protestiert hat. Ach so. Na dann.

Mal wieder weg

Karikatur - Urlaub zu zweit

Wieder drei Wochen ohne Internet und Glotze. Und danach frage ich mich dann immer, warum ich nach dem Urlaub immer so schnell in die schlechten Gewohnheiten zurueckfalle…

Hundehasser

Ein Artikel wird in der taz-Printausgabe auf S.1 mit

Unser Korrespondent in Frankfurt findet den Stadthund eine überflüssige Kreatur. Warum, erklärt er auf S. 9

angekündigt.
Ich finde Deutsch eine schwere Sprache. Warum, erklärt jede deutsche Grammatik.
Und der Artikel ist von trübsinnigster Spießermeinerei zum Thema „Hund in der Stadt“ gesättigt, die & das schon vor 30 Jahren nicht mehr originell war.

Sehr alte Schule

Der Brief eines alteingesessenen Bremer Cigarrenhändlers endet mit:

„… und verbleiben, stets gern für Sie beschäftigt, mit freundlichen Grüßen…“

Daß die feinen Brasil- und Sumatra-Cigarren dieses Herstellers einerseits nur per Versand, nicht aber in Geschäften erhältlich sind, er andererseits aber keine Internetseite hat, verwundert da bestimmt nicht.